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Rahel Welsen: Glatze zeigen

Eine Frau mit Glatze? Ist das cool? Oder nur krass? Auf jeden Fall fremd, vielleicht sogar beunruhigend.
Seit 2012 gehört Rahel Welsen zu der großen, meist jedoch unsichtbaren Gruppe von glatzköpfigen Frauen. „Anfangs fühlte es sich an wie ein schwerer Schicksalsschlag – mittlerweile gehört die Glatze so selbstverständlich zu mir, wie früher die langen Haare. Für mich ist sie cool!“, sagt die Darmstädter Fotografin.

Doch wie gehen andere Betroffene damit um? Wie leben sie ohne eines der wesentlichen Merkmale von Weiblichkeit? Um das herauszufinden ist Welsen die letzten Monate durch Deutschland und die Schweiz gefahren, hat glatzköpfige Frauen fotografiert und sie zu ihren Erfahrungen in der Öffentlichkeit befragt.

Frauen ohne Haare sind auf jeden Fall ungewöhnlich. „Kindern fällt es daher schwer, uns einzuordnen, oft höre ich: Mama, ist das ein Mann oder eine Frau? Doch auch Erwachsene
sind nicht selten irritiert: ist die krank oder will sie provozieren? Manchmal ist es anstrengend, sich jeden Tag aufs Neue damit auseinander zu setzen…“

Die meisten betroffenen Frauen vermeiden die Konfrontation und tragen Perücke. Doch es gibt mittlerweile immer mehr, die sich gegen das Versteckspiel wehren und sich so akzeptieren,
wie sie sind – und das von ihrem Umfeld auch verlangen. In der heutigen Zeit und hier in Deutschland ist das glücklicherweise
möglich. Mut erfordert es jedoch noch immer. Anderssein fällt auch heute noch auf. Welchen Vorurteilen und vielleicht sogar
Anfeindungen sind glatzköpfige Frauen tagtäglich ausgesetzt? Wie finden sie
trotzdem ihren Weg in der Gesellschaft? Was bedeutet ihnen
ganz persönlich der Haarverlust? Rahel Welsens Ausstellung gibt Antworten.
Und sie zeigt die Frauen. Selbstbewusst, kahl und in der ihnen ganz eigenen, puren Schönheit.

 

Rahel Welsen wurde 1977 in Freiburg (im Breisgau) geboren. Nach dem Abitur begann sie in Mainz an der Johannes-Gutenberg- Universität Freie Bildende Kunst mit der Fachrichtung Fotografie zu studieren. Nach dem Vordiplom wechselte sie nach Darmstadt an die Fachhochschule und schloss 2005 den Studiengang Kommunikationsdesign mit dem Diplom ab.

Seither arbeitet sie als freie Fotografin und teilt sich seit einigen Jahren ein Studio in Darmstadt mit mehreren Kollegen. Doch meistens ist sie für ihre Kunden unterwegs, ihre Schwerpunkte
sind die Architektur- und Portraitfotografie. „Eine super Mischung! Ich arbeite total gern mit Menschen zusammen, aber ich freue mich auch, wenn meine Motive mal aus Stein sind und unbeirrbar ruhig stehen, bis das Licht stimmt.“ Einer regelmäßigen, künstlerischen Herausforderung stellt Rahel Welsen sich in der jährlichen Ausstellung zum „Unwort des Jahres“.
Seit 2013 ist sie bei der Gruppe der Unwort-Fotografen dabei, die den von einer Darmstädter Jury gekürten Begriff in eine vielschichtige, fotografische Ausstellung übersetzen. „Die bildliche
Umsetzung des Unwortes ist jedes Jahr erneut ein besonderer Höhepunkt, gerade auch, weil bei dieser Arbeit keine Kundenwünsche berücksichtigt werden müssen, sondern allein die eigenen Ideen und Überzeugungen herausgearbeitet werden.“

Das hier gezeigte Projekt ist Rahel Welsens bisher persönlichste Arbeit.  „Ich reise sehr gern, ich freue mich, Menschen kennen zu lernen und ich liebe es, sie zu fotografieren. Und das Non-Plus-Ultra ist es, mit einem Thema so sehr verbunden zu sein. Ich habe bei der Arbeit an der Serie „Glatze zeigen“ viel über mich selbst erfahren. Es war eine unglaubliche
Bereicherung! Ich würde mich freuen, wenn ich damit auch anderen Menschen etwas auf ihrem Weg mitgeben kann.“

Kontakt und weitere Informationen:
www.rahel-welsen.de

Datum

07 Nov 2020 - 10 Jan 2021
Läuft aktuell…

Uhrzeit

Ganztägig

Veranstaltungsort

Haus am Dom
Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main