Glossar
Hier haben wir Wörter gesammelt und erklärt, die in unseren Texten, Veröffentlichungen und Artikeln eine Rolle spielen.
Fotograf*in
Wir gendern das Wort “Fotograf*in” in unserer gesamten Kommunikation und meinen damit alle FLINTA*-Fotograf*innen.
FLINTA* bedeutet Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen.
FLINTA*
Abkürzung für: Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen
Definition:
FLINTA* ist eine inklusive Abkürzung, die verschiedene Geschlechtsidentitäten und Erfahrungen von Menschen zusammenfasst, die von patriarchaler Unterdrückung betroffen sind. Der Begriff wird insbesondere in queer-feministischen und aktivistischen Kontexten verwendet, um Sichtbarkeit für marginalisierte Personen zu schaffen und Räume gezielt für diese zu öffnen.
Bedeutung der Buchstaben:
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F – Frauen (cis und trans)
-
L – Lesben (als eigenständige politische und soziale Identitätskategorie)
-
I – intergeschlechtliche Personen
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N – nicht-binäre Personen
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T – trans Personen
-
A – agender Personen (Menschen ohne Geschlechtsidentität)
-
* – Das Sternchen signalisiert Offenheit für weitere Identitäten, die nicht ausdrücklich genannt werden, aber ebenfalls unter die Definition fallen.
Hinweis:
Der Begriff ist politisch und nicht unumstritten. Manche kritisieren, dass er sehr unterschiedliche Erfahrungen zusammenfasst oder dass bestimmte Gruppen (z. B. cis Männer) explizit ausgeschlossen sind. In bestimmten Kontexten (z. B. FLINTA*-only-Räume, wie unser Verein) dient er jedoch bewusst dazu, Schutzräume für von patriarchalen Strukturen benachteiligte Menschen zu schaffen.
Agender*
Definition:
Agender* (mit Sternchen als Platzhalter für unterschiedliche Identitäten) bezeichnet Menschen, die keine Geschlechtsidentität empfinden oder sich bewusst außerhalb geschlechtlicher Kategorien verorten. Sie identifizieren sich weder als männlich noch als weiblich – oft auch als geschlechtsneutral, geschlechtslos oder genderfrei.
BIPoC
BIPoC steht für Black, Indigenous and People of Color und ist ein politischer Sammelbegriff für Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Er betont die gemeinsame Diskriminierungserfahrung und macht gleichzeitig auf die unterschiedlichen historischen und strukturellen Formen von Rassismus aufmerksam, insbesondere gegenüber Schwarzen und Indigenen Menschen. Der Begriff dient der Solidarisierung und Sichtbarmachung in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft.
cis / cis-geschlechtlich
Definition:
„Cis“ oder „cisgeschlechtlich“ bezeichnet Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.
Beispiel: Eine Person, die bei der Geburt als weiblich eingeordnet wurde und sich auch als Frau identifiziert, ist cis.
Herkunft:
Vom lateinischen „cis“ = „diesseits“, als Gegensatz zu „trans“ = „jenseits“.
Verwendung:
Der Begriff dient dazu, deutlich zu machen, dass nicht alle Menschen automatisch cis sind, sondern dass Cisgeschlechtlichkeit eine von mehreren Möglichkeiten ist, Geschlecht zu erleben.
Diversität
Definition:
Diversität (von lateinisch diversitas = Vielfalt) bezeichnet die Vielfalt menschlicher Identitäten, Perspektiven und Lebensrealitäten. Im gesellschaftskritischen und feministischen Kontext meint Diversität nicht nur Unterschiedlichkeit, sondern auch die aktive Anerkennung und Wertschätzung dieser Unterschiede – z. B. in Bezug auf Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Alter, Behinderung, Religion, sexuelle Orientierung oder soziale Herkunft.
Risiken von „Diversität“ als Buzzword:
Der Begriff wird in Institutionen oft verwendet, ohne reale Veränderung zu bewirken („Diversity Washing“). Echte Diversität erfordert Machtumverteilung, kritische Selbstreflexion und strukturelle Veränderungen, nicht nur symbolische Sichtbarkeit.
Ziel der Thematisierung:
Diversität ist kein ästhetischer Trend, sondern ein Gerechtigkeitsprinzip. In der künstlerischen Praxis bedeutet das, neue Räume für Ausdruck, Teilhabe und Perspektivenvielfalt zu schaffen – jenseits weißer, cis-männlicher, heteronormativer Dominanz.
Gendergerechtigkeit
Definition:
Gendergerechtigkeit bezeichnet ein gesellschaftliches Ideal, bei dem Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer geschlechtlichen Identität gleichwertig anerkannt, respektiert und behandelt werden. Dabei geht es nicht nur um formale Gleichheit, sondern um gerechte Verhältnisse, die bestehende Ungleichheiten und Machtasymmetrien aktiv ausgleichen.
Gerechtigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang nicht „Gleichmacherei“, sondern das Schaffen fairer Bedingungen durch Anerkennung von Differenz und struktureller Ungleichheit.
Unterschied zu Gleichstellung:
Während Gleichstellung oft durch Maßnahmen wie Quoten oder Förderprogramme operationalisiert wird, beschreibt Gendergerechtigkeit das übergeordnete Ziel: eine faire und empowernde Gesellschaft, in der Geschlecht nicht mehr über Chancen, Sichtbarkeit oder Einfluss entscheidet.
Beispielhafte Fragen zur Umsetzung:
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Wer hat Zugang zu finanziellen Ressourcen, Aufträgen oder Plattformen?
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Wessen Arbeit wird als „professionell“ wahrgenommen?
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Wie wird mit Sexismus, Queerfeindlichkeit oder Machtmissbrauch umgegangen?
Ziel der Gendergerechtigkeit:
Es geht darum, nicht nur gleich zu behandeln, sondern gerecht. Das bedeutet: historisch gewachsene Ungleichheiten anerkennen, systematisch abbauen und eine vielfältige, diskriminierungskritische Kultur fördern – auch und gerade in der Fotobranche.
Gender Pay Gap
Definition:
Der Gender Pay Gap bezeichnet die geschlechtsspezifische Lohnlücke zwischen cis-männlichen Beschäftigten und FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, inter-, nicht-binäre, trans- und agender Menschen). Diese Lohnlücke kann sich auf das durchschnittliche Einkommen, die Honorare oder projektbezogene Vergütung beziehen und ist Ausdruck struktureller Diskriminierung.
In der Fotografie zeigt sich der Gender Pay Gap unter anderem in:
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Unterschiedlichen Tagessätzen für FLINTA*-Fotograf*innen trotz vergleichbarer Erfahrung
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Weniger hoch dotierten Aufträgen oder Kampagnen für FLINTA*-Personen
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Geringerer Bezahlung bei redaktionellen Beiträgen, z. B. in Magazinen oder Zeitungen
- Selbstausbeutung durch unbezahlte Sichtbarkeitsarbeit, z. B. für Wettbewerbe oder Ausstellungen
- Allgemein weniger Einkommen als selbstständige FLINTA*-Person bspw. durch unbezahlte Care-Arbeit oder fehlende Mutterschutzleistungen (mit Mutterschutz ist hier der Schutz und die Unterstützung aller sorgenden Elternteile gemeint)
Statistik:
Gleichstellung / Gleichberechtigung
Definition Gleichstellung:
Gleichstellung bezeichnet das Ziel und den Prozess, allen Menschen – unabhängig von Geschlecht, Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung – gleiche Rechte, Chancen und Teilhabe zu ermöglichen. Im feministischen Kontext geht es dabei insbesondere um den Abbau patriarchaler Machtverhältnisse und struktureller Diskriminierung.
Bezug zur Fotobranche:
Gleichstellung in der Fotografie bedeutet, dass FLINTA*-Fotografinnen dieselben Möglichkeiten, Anerkennung und Ressourcen erhalten wie ihre cis-männlichen Kollegen. Es geht nicht nur um formale Gleichbehandlung, sondern auch um die aktive Förderung benachteiligter Gruppen, um reale Chancengleichheit herzustellen.
Beispiele für Maßnahmen zur Gleichstellung:
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Paritätische Besetzung von Jurys, Kurationsteams und Redaktionen
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Förderprogramme, Residenzen oder Stipendien speziell für FLINTA*-Personen
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Sichtbarmachung vielfältiger Perspektiven in Ausstellungen und Publikationen
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Gendergerechte Sprache und Arbeitsstrukturen
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Schutz vor sexualisierter Gewalt und Diskriminierung am Arbeitsplatz
Abgrenzung zur Gleichberechtigung:
Während Gleichberechtigung auf formale Rechte verweist (z. B. „Alle dürfen an Wettbewerben teilnehmen“), zielt Gleichstellung darauf ab, reale, strukturell bedingte Ungleichheiten zu erkennen und gezielt auszugleichen (z. B. durch Quoten, Awareness-Arbeit oder gezielte Förderung).
Ziel der Gleichstellung:
Gleichstellung strebt eine gerechte Verteilung von Macht, Sichtbarkeit und Ressourcen an – auch und besonders in kreativen, kulturellen und medialen Bereichen wie der Fotografie. Es geht darum, FLINTA*-Personen nicht nur zu dulden, sondern als selbstverständlichen und prägenden Teil der Branche anzuerkennen.
heteronormativ / Heteronormativität
Heteronormativität bezeichnet die gesellschaftliche Annahme, dass es ausschließlich zwei Geschlechter (männlich/weiblich) gibt und dass Heterosexualität die Norm von Paarbeziehung sei. Diese Vorstellung ist tief in sozialen, rechtlichen und kulturellen Strukturen verankert und führt dazu, dass queere Identitäten und Lebensweisen marginalisiert oder unsichtbar gemacht werden.
inter*
Definition:
Intergeschlechtliche Menschen sind Personen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale (z. B. Chromosomen, Hormone, Genitalien) nicht eindeutig in das medizinische Schema „männlich“ oder „weiblich“ passen.
Hinweis:
Intergeschlechtlichkeit ist keine Geschlechtsidentität, sondern eine körperliche Variation. Inter* Personen können sich als männlich, weiblich, nicht-binär oder anders identifizieren.
Wichtiger Aspekt:
Viele intergeschlechtliche Menschen erleben medizinische Eingriffe in der Kindheit, die sie nicht selbst bestimmen konnten. Der Einsatz für körperliche Selbstbestimmung ist deshalb ein zentrales Thema in der Inter*-Bewegung.
intersektionalität
Definition:
Intersektionalität bezeichnet das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen, etwa aufgrund von Sexismus, Rassismus, Klassismus, Ableismus, Homophobie oder religiöse Diskriminierung.
Beispiel:
Eine Schwarze, lesbische Frau kann gleichzeitig Sexismus, Rassismus und Homophobie erleben – nicht nur nebeneinander, sondern in ihrer Wechselwirkung.
Ursprung:
Der Begriff wurde von der US-amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw geprägt (1989), um auf die Mehrfachdiskriminierung Schwarzer Frauen aufmerksam zu machen.
Ziel:
Intersektionale Ansätze wollen gesellschaftliche Machtstrukturen ganzheitlich betrachten und Betroffenen mehr Sichtbarkeit und Gerechtigkeit ermöglichen.
LGBTQIA+
Diese Abkürzung steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Queer, Intersex, Asexual und weitere nicht cis-heteronormative Identitäten (dargestellt durch das „+“). Der Begriff beschreibt eine vielfältige Community von Menschen, die in ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder geschlechtlichen Merkmalsausprägung von gesellschaftlichen Normen abweichen. In einem feministischen Kontext geht es um Sichtbarkeit, Anerkennung und Schutz vor Diskriminierung.
Male Gaze
Der Begriff „Male Gaze“ (auf Deutsch: „männlicher Blick“) wurde 1975 von der britischen Filmtheoretikerin Laura Mulvey in ihrem einflussreichen Essay Visual Pleasure and Narrative Cinema geprägt. Sie beschrieb darin, wie klassische Hollywood-Filme Frauen vor allem aus einer männlich-heterosexuellen Perspektive inszenieren. Frauen und FLINTA*-Personen werden dabei nicht als handelnde Subjekte, sondern als Objekte des männlichen Begehrens dargestellt. Der Male Gaze prägt, wie Körper gezeigt, Geschichten erzählt und Machtverhältnisse dargestellt werden und trägt dazu bei, stereotype Geschlechterrollen zu verfestigen.
Missstände
Definition:
Missstände bezeichnen strukturelle Ungleichheiten, diskriminierende Praktiken und unfaire Bedingungen, die insbesondere marginalisierte Gruppen betreffen. Im feministischen Kontext geht es dabei um die systematische Benachteiligung von FLINTA*-Personen.
Bezug zur Fotobranche:
In der Fotografie äußern sich Missstände beispielsweise in der ungleichen Sichtbarkeit, Bezahlung und Anerkennung von FLINTA*-Fotograf*innen. Häufig werden ihre Perspektiven nicht ernst genommen, sie sind weniger sichtbar und ihre Zugänge zu Ressourcen, Aufträgen oder Netzwerken beschränkt. Zudem sind viele Wettbewerbe, Ausstellungen, Galerien, Repräsentanzen und Führungspositionen in der Branche weiterhin cis-männlich dominiert.
Beispiele:
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Geringere Honorare und schlechtere Vertragsbedingungen für FLINTA*-Fotograf*innen
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Weniger Einkommen bspw. durch unbezahlte Care-Arbeit oder fehlende Mutterschutzleistungen (mit Mutterschutz ist hier der Schutz und die Unterstützung aller sorgenden Elternteile gemeint)
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Mangelnde Repräsentation in Galerien, Magazinen oder Jurys
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Sexistische oder transfeindliche Arbeitsumfelder
- Unsichtbarmachung feministischer oder queerer Bildsprache in der Mainstream-Fotografie
Statistiken:
- Gender Pay Gap 2024 in künstlerischen Berufen in Deutschland
- Auswertung der Titel deutscher Magazine 2024
- Umfrage des Mutterschutz für Alle! e.V.
Ziel der Thematisierung:
Das Sichtbarmachen dieser Missstände ist ein feministischer Akt der Kritik und ein Aufruf zur Veränderung. Es geht darum, diskriminierende Strukturen aufzudecken, FLINTA*-Perspektiven zu stärken und für eine gerechtere, vielfältigere und inklusivere Branche einzutreten.
nicht-binär
Definition:
Nicht-binäre Menschen identifizieren sich nicht (nur) als männlich oder weiblich. Ihre Geschlechtsidentität liegt außerhalb oder zwischen den beiden klassischen („binären“) Geschlechtern.
Formen:
Nicht-binäre Identitäten sind vielfältig: Dazu gehören z. B. agender, bigender, genderqueer oder genderfluid.
Gesellschaftliche Bedeutung:
Nicht-binäre Menschen hinterfragen das zweigeschlechtliche System und setzen sich oft für mehr Geschlechtervielfalt und Anerkennung jenseits der binären Normen ein.
Trans*
Definition:
„Trans*“ (mit Sternchen als Platzhalter für unterschiedliche Identitäten) beschreibt Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Dazu gehören z. B. trans Männer, trans Frauen, nicht-binäre oder genderfluide Personen.
Wichtig:
„Trans“ ist ein Adjektiv, kein Substantiv („eine trans Frau“, nicht „eine Trans“). Trans Menschen können binär (z. B. von Frau zu Mann) oder nicht-binär identifiziert sein.
Abgrenzung:
Trans* steht im Gegensatz zu cisgeschlechtlich. Es beschreibt eine Erfahrung von Geschlecht jenseits der gesellschaftlichen Norm.