Die Ausstellung TRACE OF US vereint fotografische Arbeiten von Künstler*innen aus Deutschland und der Tschechischen Republik, die sich mit Fragen von Identität, Herkunft und Erinnerung auseinandersetzen. Im Mittelpunkt stehen persönliche Geschichten, die eng mit den gesellschaftlichen Umbrüchen nach 1989 verbunden sind – Geschichten zweier Nachbarländer, deren gemeinsame Vergangenheit lange Zeit durch politische Systeme, Sprachbarrieren und kulturelle Narrative getrennt war und bis heute von den Nachwirkungen des Eisernen Vorhangs geprägt ist.
Die beteiligten Fotograf*innen untersuchen, wie politische und soziale Veränderungen Familienbiografien, kollektive Erzählungen und individuelle Lebensrealitäten beeinflussen – und wie diese vielfältigen Erfahrungen visuell erfahrbar gemacht werden können. TRACE OF US versteht Identität nicht als starres Konstrukt, sondern als etwas Dynamisches, Vielschichtiges und oft auch Widersprüchliches.
Zwischen Ost und West, Heimat und Migration, Erinnerung und Gegenwart entfaltet sich ein vielstimmiger Dialog der Perspektiven – ein Dialog, der nationale Grenzen überschreitet. Die Ausstellung verbindet dokumentarische und persönliche Ansätze mit Selbstinszenierungen, Archivmaterial und Landschaftsaufnahmen. Thematisiert werden unter anderem transgenerationale Traumata, postmigrantische Erfahrungen, Zwangsadoptionen in der DDR sowie weibliche Lebenswege im gesellschaftlichen Umbruch nach der Wiedervereinigung.
Die präsentierten Fotografien bewegen sich im Spannungsfeld von Realität und Fiktion. Durch Gesten, Haltungen und zyklische Bildstrukturen werden symbolische Bedeutungen sichtbar. Aspekte wie Geschlecht, Alter, Nähe und Distanz spielen ebenso eine zentrale Rolle wie Räume, die zu Projektionsflächen für Erinnerungen und über Generationen weitergegebene soziale Rollen werden.
Chemnitz – einst sozialistische Musterstadt, heute Europäische Kulturhauptstadt 2025 – bietet den idealen Rahmen für diesen fotografischen Dialog. Die Stadt selbst ist ein Raum des Wandels: geprägt von Deindustrialisierung, biografischen Brüchen und zugleich von kultureller Resilienz und Aufbruch. Die Ausstellung lädt Besucher*innen ein, die Spuren jener Geschichten zu entdecken, die sich in Körper, Landschaften, Materialien und Blicke eingeschrieben haben – und die bisher oft ungehört geblieben sind.
Wer wir sind
Der Female Photoclub wurde 2017 gegründet und ist seit 2020 ein eingetragener Verein für professionell arbeitende FLINTA*-Fotograf*innen. Mit rund 500 Mitgliedern in neun Städten und Regionen setzt sich der Club für mehr Sichtbarkeit marginalisierter Perspektiven, Gleichberechtigung in der Fotografie und eine diverse Bildsprache ein.
Das Kollektiv Sisters in Photography wurde 2023 gegründet. Die Gruppe besteht aus tschechischen FLINTA*-Fotograf*innen mit dem Ziel, sich gegenseitig in der gemeinsamen Leidenschaft für Fotografie, im kreativen Spiel, beim Experimentieren und Forschen zu unterstützen und zu motivieren.







