Die Ausstellung “Zwischen Auftrag und Elternschaft” des Female Photoclub möchte auf die Situation selbstständiger Mütter aufmerksam machen. Viele unserer Mitglieder sind selbst betroffen vom fehlenden Mutterschutz und kennen die Unsicherheiten, die eine Familiengründung in freiberuflichen Strukturen mit sich bringt. Aus dieser Erfahrung heraus zeigen wir uns solidarisch mit allen selbstständigen Müttern und werdenden Elternteilen.
Selbstständige Fotograf*innen und andere FLINTA*-Personen in kreativen Berufen stehen vor besonderen Herausforderungen. Als Soloselbstständige oder Gewerbetreibende gelten sie rechtlich oft als Sonderfall. Schwangerschaft und Mutterschaft bedeuten für sie nicht nur eine körperliche Belastung, sondern vor allem ein finanzielles Risiko: schwangerschaftsbedingte Ausfälle werden nicht abgefedert, verlässliche Informationen sind schwer zugänglich, und bestehende Regelungen zu Mutterschutz und Elterngeld gehen an ihrer Lebensrealität vorbei.
Aus den Einsendungen wählte eine Jury, bestehend aus der Fotografie- Professorin Katharina Bosse, der Unternehmerin und Influencerin Toyah Diebel sowie dem Vorstand des Female Photoclub, neun Positionen aus. Die Arbeiten eröffnen vielfältige Perspektiven auf die prekären Bedingungen, die entstehen, wenn grundlegende soziale Absicherungen fehlen.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Forderung nach mehr Gerechtigkeit: flexible Regelungen bei der Berechnung von Mutterschutzleistungen und Elterngeld, eine Neubewertung finanzieller Unterstützungen und die Anerkennung der besonderen Situation von Selbstständigen. Die ausgewählten Arbeiten verdeutlichen eindrücklich, wie groß der Handlungsbedarf ist und wie wichtig es ist, die Stimmen derjenigen ernst zu nehmen, die zwischen Selbstständigkeit und Familie balancieren.
Alexandra vosding

Selbstporträt der Fotografin im Badezimmerspiegel – die kleine Hand des Babys hält den Rand des Tragetuchs. Mutterschaft und Selbstständigkeit sind im Bereich der Musik- und Theaterfotografie eine logistische Herausforderung: Konzerte finden abends statt, Proben werden kurzfristig verschoben. Das Honorar geht direkt an den Babysitter weiter. Bei allen anderen Arbeiten ist das Baby immer dabei.
isabell kessler

Vicenca in der 32. SSW. Das selbstständige Model verbringt inzwischen ihr erstes Babyjahr zuhause. Da sie in dieser Zeit keine Einnahmen erzielen kann, ist sie auf das Einkommen ihres Mannes angewiesen.
Isabell Kesslers Serie sucht keine Antworten, sondern fängt Empfindungen ein und strahlt Intimität und Nähe aus.
Annick ist projektweise in der Filmbranche tätig. Da Mutterschutz und Branche kaum vereinbar sind, trägt ihr Mann aktuell das stabile Einkommen – ein Ergebnis struktureller Rahmenbedingungen.


Rebekka Steinlein, 33, Architektin für nachhaltige Architektur, teilt sich Carearbeit mit ihrem selbstständigen Partner Marcel. Er nimmt sechs Monate, sie etwas mehr als ein Jahr Elternzeit.
Lola Mercedes Wittstamm, freiberufliche Schauspielerin, Regisseurin und Kuratorin. Sie und ihr ebenfalls freiberuflicher Partner teilen sich Erwerbs- und Carearbeit möglichst gleichberechtigt auf – durchaus herausfordernd.

Lisa Strautmann
Seit dem 1. Juni 2025 haben Frauen nach einer Fehlgeburt ab der 13. Schwangerschaftswoche Anspruch auf Mutterschutz. Für Fehlgeburten vor der 13. SSW gibt es keinen gesetzlichen Mutterschutz, Frauen können sich jedoch krankschreiben lassen. Paula ist selbstständig und hat ihr Kind vor der 13. Woche verloren. In der Zeit der Blutung und Heilung war sie nicht arbeitsfähig und konnte sich auch nicht krankschreiben lassen. Ihr Partner hat sie finanziell unterstützt.





louisa Stickelbruck
Buki Akomolafe ist selbstständige Modedesignerin aus Berlin. Sie hat bis 2 Tage vor der Geburt gearbeitet – “Das ging, weil ich fit war. So ist es aber nicht bei allen – und es sollte nicht die Norm sein.“ Die Fotos zeigen Buki in der SW36, fotografiert für das Berliner Maternitywear Label Miumi.





Michelle Mantel
Larissa Mantel, die Schwester der Fotografin bei ihrer zweiten Schwangerschaft. Sie arbeitet seit 15 Jahren als selbstständige Grafikerin und Illustratorin. Larissa hatte eine schwierige Schwangerschaft mit langen Krankenhausaufenthalten und kompliziertem Kaiserschnitt. Ihre Situation macht sichtbar, wie verletzlich und gleichzeitig widerstandsfähig der weibliche Körper ist und wie sehr Unterstützung und Schutz in manchen Momenten gefehlt haben.



natalie stanczak
Zu sehen ist Julia Nagele alias listentojules, Sängerin, Songwriterin und Gitarristin im Mutterschutz. Ihr Körper bleibt nicht privat, sondern wird auch in der Schwangerschaft zum Objekt öffentlicher Wahrnehmung und Bewertung. Die Serie von Natalie Stanczak untersucht Mutterschaft als soziales Konstrukt und politische Kategorie– zwischen Idealbild, Unsichtbarkeit und Widerstand. Ihre Fotografien verbinden biografische Erfahrung mit struktureller Analyse.





Serena Dallabetta

Schirin Batista ist Hebamme. Ihre Arbeit beginnt nicht erst mit den Wehen und endet nicht mit dem ersten Schrei eines Neugeborenen. „Jede Geburt ist politisch“, sagt sie. Schirin steht und kämpft für das, an was sie glaubt. Für sie sind Elternschaft & Selbstbestimmung einer Mutter die Basis der Gesellschaft.




Stefanie Auer
Liza ist Mütterpflegerin. Sie hat ihre Firma aufgebaut, um anderen diese Kassenleistung im Wochenbett zu ermöglichen. Während sie das Fundament ihrer Firma aufbaut, wird sie zum dritten Mal Mutter. Auf den Bildern ist zu sehen, wie sie ihren Alltag zwischen Selbstständigkeit und Mutterschaft bewältigt.




veronika hubert natter

Lisa mit Baby Luka. Lisa ist „single mum by choice“ und ist selbstständig in der Modebranche tätig.


